Veranstaltungsarchiv VATMH
Oktober 2023
Annika Kahrs – Gravity's Tune
Ausstellungsraum der Schering Stiftung (Unter den Linden 32-34, 10117 Berlin)

Info
Wissenschaftlich begleitet wird ihre künstlerisch-musikalische Auseinandersetzung mit Gravitationswellen von Dr. Keith Thorne, Physiker am LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) in den USA. Dort ist es vor einigen Jahren erstmals gelungen, Gravitationswellen, das heißt Wellen im Gewebe der Raumzeit, die unter Anderem durch kollidierende Schwarze Löcher entstehen und mit Lichtgeschwindigkeit „reisen“, in akustische Signale zu übersetzen.
Die Künstlerin nutzt die akustischen Aufzeichnungen der Astrophysik, um grundsätzliche Fragen darüber aufzuwerfen, wie sie unsere Vorstellungskraft anregen und Aufschluss über Ereignisse geben, die nur schwer vorstellbar sind. Kahrs sensibilisiert die Betrachter:innen ihres Films dafür, dass gerade solch „ungewöhnlichen“ Klänge unser Verständnis von Hören, Klingen und nicht zuletzt von Musik immer auch herausfordern. Das LIGO könnte man, nach den Worten des Wissenschaftlers Keith Thorne, tatsächlich als stillste Konzerthalle auf Erden betrachten. Man spürt dort einen außerirdischen Sound auf, der mit größtmöglicher Präzision aus einer Menge von irdischen Störgeräuschen herausgefiltert wird.
Annika Kahrs widmet sich in ihren Filmen, Installationen und Performances Klängen im weitesten Sinne. Sie interessiert sich für Töne mit besonderen Eigenschaften, darunter solchen, die im Infraschallbereich liegen, aber auch solchen, die dank ihrer physikalischen Eigenschaften ein Phänomen wie die beschriebenen Gravitationswellen zum Ausdruck bringen. Diesen akustischen Phänomenen nähert sich die Künstlerin über das Medium Musik: Sie eröffnet einerseits einen Zugang zu nicht hörbaren und kaum vorstellbaren (Klang)Welten und weist andererseits auf die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des Hörbaren hin.
Rahmenveranstaltungen
Vortrag von Prof. Alessandra Buonanno mit anschließendem Gespräch zwischen ihr, Annika Kahrs und Louis d’Heudières
Gravitationswellen sind Wellen im Gewebe der Raumzeit, die unter Anderem durch kollidierende Schwarze Löcher entstehen und mit Lichtgeschwindigkeit „reisen“. Am so genannten LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) in den USA wurden Gravitationswellen 2016 in Form eines so genannten „Tschirp“-Lautes erstmals nachgewiesen.
In einem wissenschaftlichen Impulsvortrag erklärt zunächst Prof. Dr. Alessandra Buonanno, Direktorin des Max-Planck Instituts für Gravitationsphysik, wie es etwa 100 Jahre, nachdem Albert Einstein die Existenz von Gravitationswellen postuliert hatte, gelang, den empirischen Beweis für dieses Phänomen zu erbringen. Sie gibt Auskunft darüber, wie Gravitationswellen gemessen werden, wie das Labor dafür beschaffen sein muss und wie Gravitationswellen in akustische Signale umgewandelt werden können. Im Anschluss diskutiert sie mit Annika Kahrs und Louis d’Heudières über den Film „Gravity’s Tune“ und den künstlerischen Ansatz, über das Medium Musik einen Zugang zur Welt der Astrophysik und der Erforschung des Universums zu eröffnen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Berlin Science Week x Holzmarkt 25 statt.
Termin:
07.11.2023, 19:30–22 Uhr
Veranstaltungsort:
Salöön im Holzmarkt 25
Holzmarktstr. 25
10243 Berlin
Vortrag und Podiumsdiskussion sind auf Englisch.
Mit Annika Kahrs, Dr. Christina Landbrecht und Katerina Gregos (Künstlerische Leiterin, EMST – National Museum of Contemporary Art, Athen)
Das Gespräch geht von der jüngsten Videoarbeit von Annika Kahrs aus und diskutiert sie im Kontext des bisherigen Schaffens der Künstlerin. Im Zentrum der Diskussion steht u.a. Kahrs‘ Interesse an astrophysikalischen Fragen, ihre fortwährende Beschäftigung mit Klängen, die außerhalb des menschlichen Wahrnehmungsbereiches liegen oder Phänomene beschreiben und ihr Bemühen, Ungreifbares medial zu fassen.
Termin:
24.11.2023, 18–20 Uhr
Veranstaltungsort:
Ausstellungsraum der Schering Stiftung
Unter den Linden 32-34,
10117 Berlin
Das Gespräch findet auf Englisch statt.
Partner
In Kooperation mit der Schering Stiftung, Berlin Art Week, Villa Aurora und MOIN - Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
Räume mit Aussicht
Haus Kunst Mitte (Heidestraße 54, 10557 Berlin)

Info
Die Ausstellung Räume mit Aussicht bringt künstlerische Impulse aus Los Angeles nach Berlin und gibt einen Einblick in die entstandenen Projekte der Stipendiat:innen der Villa Aurora. Die acht Künstler:innen lebten 2022 für drei Monate in Los Angeles und entwickelten vor Ort neue künstlerische Ansätze und Fragestellungen. In der Ausstellung treten die Stipendiat:innen durch ihre Arbeiten in einen Dialog und präsentieren ihre unterschiedlichen Perspektiven auf Kalifornien – von Billboard Werbung bis zur Filmindustrie Hollywoods, von Betrachtungen zum Pazifischen Ozean bis hin zur Erdbebengefahr in der Metropole Los Angeles. Auch Fragen zu gesellschaftlichem Wandel, Migration und Exil werfen die Künstler:innen auf. Die in Los Angeles entstandenen künstlerischen Ansätze wurden für die Ausstellung in Deutschland weiterentwickelt und ihre crossatlantische Perspektive verdeutlicht.
Die Villa Aurora ist eine Künstlerresidenz in Los Angeles. Seit über 25 Jahren ist sie Ort der Inspiration und des künstlerischen Schaffens für Stipendiat:innen aus den Bereichen Film, Literatur, Komposition und Bildende Kunst. Mission der Villa Aurora ist es, den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den USA zu fördern und durch die Auseinandersetzung mit Themen wie Migration und Exil zu einer offenen Gesellschaft beizutragen. Der Ursprung dieses thematischen Schwerpunktes liegt in der Geschichte des Hauses: Während der Zeit des Nationalsozialismus fanden der Schriftsteller Lion Feuchtwanger und die Salonistin Marta Feuchtwanger Zuflucht in den USA und kauften 1943 die Villa Aurora in Los Angeles. Bald wurde diese zu einem Treffpunkt deutschsprachiger Exilant:innen, darunter unter anderem
Bertolt Brecht, Thomas Mann oder Alma Mahler-Werfel.
Auch heute ist die Villa Aurora Treffpunkt von Künstler:innen und ein Ort des kreativen Austauschs. Im Zentrum stehen die Stipendiat:innen, ihre künstlerischen Konzepte und ihre Auseinandersetzung mit der dynamischen US-amerikanischen Kultur und der einzigartigen kalifornischen Landschaft.
Rahmenveranstaltung
26.11.2023, 16:00 - 18:00 Uhr
Finissage & Artist Talk mit den Künstlerinnen Antje Majewski und Sonya Schönberger
Gemeinsam mit der Kuratorin Anna Havemann sprechen die Künstlerinnen Antje Majewski und Sonya Schönberger über die in der Ausstellung gezeigten Werke und ihre Zeit in Los Angeles.
Der Eintritt für den Artist Talk um 16:00 Uhr ist frei.
Das Thomas Mann House – Politischer Denkort am Pazifik (Buchpräsentation & Gespräch)
Literaturhaus Stuttgart (Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart)

Info
Mit der Soziologin & Thomas Mann Fellow Jutta Allmendinger, der Literaturwissenschaftlerin Irmela von der Lühe und dem Journalisten Heinrich Wefing. Moderiert wird die Veranstaltung von dem Philosophen & Politikwissenschaftler Felix Heidenreich.
Heute ein Residenzhaus und politischer Denkort am Pazifik, bietet das Thomas Mann House nicht nur eine spannende Architektur, sondern auch eine einzigartige Geschichte: Anfang der 40er Jahre ließen Thomas und Katia Mann das Wohnhaus in Los Angeles errichten und lebten dort bis 1952 im Exil. Von hier aus setzte sich Thomas Mann für die Demokratie ein und befasste sich intensiv mit Themen wie Migration und Freiheit. Anknüpfend an diese Auseinandersetzung, haben sich namhafte Autorinnen und Autoren aus Literatur und Wissenschaft im Band Das Thomas Mann House – Politischer Denkort am Pazifik (Wallstein Verlag, 2023) jeweils einem Raum des Hauses gewidmet. Die Beiträge berichten vom politischen Leben der Manns und reflektieren drängende Fragen unserer Zeit zu Migration, Exil oder dem Klimawandel, dessen verheerende Folgen sich in Kalifornien zeigen.
Herausgegeben wird das Buch von Nikolai Blaumer und Benno Herz, mit Fotografien des Hauses von Jean Molitor. Es wird im September 2023 vom Wallstein Verlag veröffentlicht. Mit Beiträgen von Jutta Allmendinger über das Katia Mann House, Gustavo Arellano über die kalifornische »Zufluchtsstadt« und ihre kulturelle Vielfalt, Adrian Daub über Thomas Mann und seine Nachtlektüre, Veronika Fuechtner über die Küche und die Rolle der Hausangestellten, Alice Hasters über die Garage und Los Angeles ohne Führerschein Claus Leggewie über den Garten und die Frage: Wie grün ist Los Angeles?, Frido Mann über das Wohnzimmer und den Flügel seines Großvaters, Andreas Platthaus über die Auffahrt und den Weg der Familie Mann ins Exil, Alex Ross über den Doktor Faustus und die Klanglandschaft von Los Angeles und vielen weiteren Beiträgen.
Teilnehmer:innen

Jutta Allmendinger ist eine deutsche Soziologin. Nach Stationen unter anderen an der Harvard University, der Ludwig-Maximilian-Universität in München und dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, ist Prof. Allmendinger seit April 2007 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. 2013 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland. 2014 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Tampere verliehen. 2018 war sie eine der ersten Thomas Mann Fellows. Allmendinger ist in zahlreichen Beiräten im In- und Ausland tätig. 2021 wurde sie von Papst Franziskus als Mitglied der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften berufen.

Irmela von der Lühe war bis zu ihrer Emeritierung Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin. Gemeinsam mit Uwe Naumann gibt sie die Werke Erika Manns heraus, über die sie auch eine Biografie verfasst hat. 2019 kuratierte Irmela von der Lühe die erste Einzelausstellung zu Erika Mann in der Münchner Monacensia, unter dem Titel „Erika Mann. Kabarettistin. Kriegsreporterin. Politische Rednerin.

Heinrich Wefing ist ein vielfach ausgezeichneter Journalist, Architekturkritiker und Buchautor. Nach vielen Jahren bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Kulturkorrespondent in Berlin und Westküsten-Korrespondent in San Francisco wechselte er 2008 zu DIE ZEIT. Seit 2018 leitet er dort das Politikressort. Er gehört zu den Initiatoren der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union, die Ende November 2016 veröffentlicht wurde.

Felix Heidenreich studierte Politikwissenschaften, Philosophie sowie mittlere und neuere Geschichte in Heidelberg, Paris und Berlin. Er arbeitet als wissenschaftlicher Koordinator am Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart und lehrt im Fachbereich Politikwissenschaft. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Themen wie Nachhaltigkeit und Demokratie, politische Emotionen, Theorien der Gerechtigkeit, politische Metaphorologie und Kulturpolitik. 2022 erschien seine neuste Monographie Demokratie als Zumutung – für eine andere Bürgerlichkeit.

Benno Herz arbeitete in der Online-Kommunikation des Städel Museums Frankfurt, bevor er 2019 als Projekt- und Kommunikationsmanager ans Thomas Mann House kam. Zuvor studierte er Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt, mit dem Forschungsschwerpunkt Ästhetik der sozialen Medien. Seit 2009 ist er in verschiedenen Musik- und Filmprojekten auch kreativ tätig. Er ist Mitherausgeber und Co-Autor der Publikation Thomas Mann's Los Angeles: Stories from Exile 1940–1952 (Angel City Press, 2022). Seit Mai 2022 ist Benno Herz Programmdirektor am Thomas Mann House.

Nikolai Blaumer war von der Eröffnung des Thomas-Mann-Hauses in Los Angeles im Jahr 2018 bis Mai 2022 Programmdirektor. Er promovierte in Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und lehrte an der LMU, der Bauhaus-Universität Weimar und an der University of California in Los Angeles. Seit 2014 ist er für die Abteilung Kultur des Goethe-Instituts tätig. Blaumer ist Mitherausgeber des Buches Teilen und Tauschen (S. Fischer Verlag, 2017) sowie Thomas Mann's Los Angeles: Stories from Exile 1940-1952 (Angel City Press, 2022).
Partner
Eine Veranstaltung der Berthold Leibinger Stiftung, in Kooperation mit Universität Stuttgart, Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. und Deutsch-Amerikanisches Zentrum/James-F.-Byrnes-Institut e. V.