Veranstaltungsarchiv Thomas Mann House
September 2022
Transatlantic Media Forum - Democracy Disputed: Ever More Divided? Opening Remarks by Christoph Bieber
New York, NY
2022 Thomas Mann Fellow und Politikwissenschaftler Christoph Bieber wird am 8. September an der Konferenz Transatlantic Media Forum - Democracy Disputed: Ever More Divided? in New York teilnehmen, wo er um 11:10 Uhr Ortszeit die Eröffnungsrede unter dem Titel Division everywhere? hält.
Ob der Krieg in der Ukraine, Covid-19 oder der Klimawandel - Krisen scheinen in unserer globalisierten, digital vernetzten Welt zur Normalität geworden zu sein. Dieser Zustand globaler Unsicherheit wird von der weit verbreiteten Wahrnehmung einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft begleitet. Kritischen Beobachter:innen zufolge äußert sich diese Spaltung vor allem in einer zunehmenden Polarisierung des öffentlichen Diskurses.
Das Transatlantic Media Forum ist ein eintägiges deutsch-amerikanisches Treffen von fünfzehn renommierten Expert:innen und Journalist:innen in New York City, veranstaltet von 1014 und dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM), in Zusammenarbeit mit dem M100 Sanssouci Colloquium und mit großzügiger Unterstützung der Stiftung Mercator. In drei "Strategischen Rundtischgesprächen" werden die medialen und techno-ökonomischen Mechanismen diskutiert, die diese Krisen verursachen und aufrechterhalten - unabhängig von ihrem jeweiligen Inhalt. Wie können wir unter diesen Bedingungen Resilienz erreichen?
Christoph Bieber, Forschungsprofessor am Center for Advanced Internet Studies, Bochum, wird seine Anmerkungen zum Thema Division everywhere? zum Auftakt der Konferenz um 11.10 Uhr (ET) halten.
Das vollständige Programm und weitere Informationen finden Sie auf der Website der Konferenz.
Die Veranstaltung wird organisiert von 1014 und dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM), in Zusammenarbeit mit dem M100 Sanssouci Colloquium und mit großzügiger Unterstützung der Stiftung Mercator.
On the Dimensions of Public Interest Design. Sergio Palleroni und Friederike Meyer im Gespräch
Online
Thomas Mann Fellow und Architekturjournalistin Friederike Meyer und Sergio Palleroni, Direktor des Centre for Public Interest Design an der School of Architecture der Portland State University, trafen sich im Thomas Mann House, um über das Potenzial von Public Interest Design zu diskutieren.

Die Arbeit von Stadtplaner:innen und Architekt:innen ist weltweit unter Druck geraten. Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Klimawandel und Migrationsbewegungen stellen das traditionelle Bild des:r Architekt:in als Gestalter:in von Objekten in der gebauten Umwelt in Frage. Der Begriff Public Interest Design erweitert die Architektur- und Design-Praxis um einen mehrdimensionalen Prozess, der sich mit Themen wie Katastrophenvorsorge und -bewältigung, Lebensmittel- und Wasserknappheit sowie Unterkünften befasst.
Die Architekturjournalistin und Autorin Friederike Meyer untersucht während ihres Fellowships im Thomas Mann House, wie Planungsstrukturen und -strategien neue Formen des Zusammenlebens in sich verändernden heterogenen Gesellschaften unterstützen können. Gemeinsam mit Sergio Palleroni, Direktor des Center for Public Interest Design an der School of Architecture der Portland State University, diskutiert Friederike Meyer darüber, wie Architekt:innen und Planer:innen sich wieder in die Gesellschaft einbringen können, um den Bedürfnissen zunehmend vielfältiger Gemeinschaften gerecht zu werden, und wie Public Interest Design ein gesundes, widerstandsfähiges und nachhaltiges Lebensumfeld schaffen kann.
Die Aufzeichnung des Gesprächs premiert am 10. September um 19 Uhr deutscher Zeit auf unserem YouTube-Kanal.
Participants

Friederike Meyer studierte Architektur an der RWTH Aachen und an der University of Washington in Seattle und wurde an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin ausgebildet. Heute arbeitet sie als Architekturjournalistin in Berlin und erforscht die Schnittstellen von Architektur, Stadtplanung und Gesellschaft. Von 2000 bis 2017 war sie Redakteurin der Architekturzeitschrift Bauwelt, seit einigen Jahren ist sie als Autorin, Moderatorin und Dozentin für Architekturkommunikation tätig. Seit 2017 ist Friederike Meyer Chefredakteurin von BauNetz Meldungen. Zusammen mit Doris Kleilein ist sie Mitherausgeberin von Die Stadt nach Corona und Postpandemischer Urbanismus, erschienen bei Jovis, 2021.

Sergio Palleroni ist Professor und Direktor des Center for Public Interest Design an der School of Architecture der Portland State University und Mitbegründer des Homelessness Research & Action Collaborative der PSU. Außerdem ist er Senior Fellow des Institute for Sustainable Solutions und Gründungsmitglied und Dozent des staatlich finanzierten Green Building Research Lab an der Portland State University. Er erwarb seinen M.S. in Architekturstudien am Massachusetts Institute of Technology. In den letzten zwei Jahrzehnten beschäftigte er sich in seiner Forschung und Feldarbeit mit Methoden zur Integration nachhaltiger Praktiken, um die Lebensbedingungen unterversorgter Gemeinden weltweit zu verbessern.
Televised Democracy: Media and Politics in an Attention Economy. Christoph Bieber & Stephen Engel im Gespräch. Moderiert von Lorraine Ali
Los Angeles, Thomas Mann House
Der Politikwissenschaftler und Thomas Mann Fellow Christoph Bieber und der US-Fernsehproduzent und -autor Stephen Engel (Big Bang Theory, Just Shoot Me) diskutieren über Potenzial und Gefahren der Verflechtung von narrativen Unterhaltungsformaten und öffentlichen politischen Diskursen. Das Gespräch wird moderiert von Lorraine Ali, Journalistin und Fernsehkritikerin der Los Angeles Times.

In seinem jüngsten Beitrag für die New York Times warnt der Journalist Ezra Klein vor einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Unterhaltung und politischem Diskurs. Er fürchtet, dass in diesem Fall möglicherweise nur noch Entertainer:innen in der Lage sein könnten, unsere Erwartungen an Politiker:innen zu erfüllen, und die Berichterstattung über politische Ereignisse zu „Unterhaltungspaketen“ geschnürt wird.
Prominente Beispiele hierfür finden sich durch die Geschichte und in allen politischen Lagern, etwa die Präsentation und das Setting von Volodymir Zelenskys Videoansprachen, Donald Trumps Hintergrund im Reality-TV und der serielle Stil sowie das Format der jüngsten Berichterstattung über die Anhörungen zur Stürmung des Kapitols am 6. Januar. In einer Ökonomie der Aufmerksamkeit prägen Produktions- und Schreibmethoden der audiovisuellen Medien die Art und Weise, wie politische Debatten der Öffentlichkeit präsentiert werden. Von den ersten im Fernsehen übertragenen Präsidentschaftsdebatten bis hin zu Ronald Reagan oder Arnold Schwarzenegger, deren politischen Ämtern eine erfolgreiche Schauspielkarriere vorausging, haben Medientechnologien und ihr Einsatz in der Unterhaltungsindustrie stets den öffentlichen Diskurs und die Art und Weise, wie Politiker:innen Medienumgebungen genutzt haben, geprägt und beeinflusst.
2022 Thomas Mann Fellow Christoph Bieber, Professor für Politikwissenschaft am Center for Advanced Internet Studies in Bochum, und der US-amerikanische Fernsehproduzent und Autor Stephen Engel diskutieren darüber, wie politische Debatten in einer sich rasant verändernden Öffentlichkeit erzählt und präsentiert werden. Politische Akteur:innen greifen auf Routinen, Formate und Narrative zurück, die ursprünglich in den Unterhaltungsmedien entwickelt wurden. Sie tun dies nicht nur in Wahlkampfzeiten, sondern auch in alltäglichen politischen Zusammenhängen wie Plenarsitzungen oder Ausschussanhörungen. Mit der Diskussion über verschiedene Medienformate und der Analyse historischer Beispiele sollen die Vorteile und Fallstricke der Verflechtung von Unterhaltungsindustrie und politischem Diskurs in den USA und Deutschland erörtert werden. Moderiert wird das Gespräch von Lorraine Ali, Fernsehkritikerin bei der Los Angeles Times und preisgekrönte Journalistin, die für Publikationen von der New York Times bis zum Rolling Stone geschrieben hat.
Die Veranstaltung findet im Thomas Mann House statt und ist nur auf Einladung zugänglich.
Teilnehmer:innen

Lorraine Ali ist Fernsehkritikerin bei der Los Angeles Times. Zuvor war sie leitende Autorin für den Kalenderteil, wo sie über Kultur im Allgemeinen, Unterhaltung und amerikanisch-muslimische Themen berichtete. Ali ist eine preisgekrönte Journalistin und stammt aus Los Angeles. Sie hat bereits für Publikationen wie die New York Times, Rolling Stone und GQ geschrieben. Zuvor war sie Musikredakteurin bei der Times und davor leitende Autorin und Musikkritikerin beim Magazin Newsweek. Zu ihren Auszeichnungen gehören der Preis für das beste Online-Feature der New York Association of Black Journalists im Jahr 2007 und ein Excellence in Journalism Award der National Arab Journalists Association im Jahr 2002. Im Jahr 1996 wurde sie bei den Music Journalism Awards als beste nationale Feature-Story ausgezeichnet.

Christoph Bieber ist Professor für Politikwissenschaft an der NRW School of Governance, Universität Duisburg-Essen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft. Bieber hat zahlreiche Publikationen zu den Auswirkungen der Online-Kommunikation auf politische Akteur:innen veröffentlicht, ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Auswirkungen der Digitalisierung auf das politische System der USA. Seit 2018 ist er an das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum abgeordnet, wo er als Forschungsprofessor das Programm Digital Democratic Innovations leitet, das von 2021 bis 2026 läuft. Auf Twitter ist er als @drbieber bekannt.

Stephen Engel ist ein US-amerikanischer Fernsehproduzent und Autor. Als Absolvent der Tufts University setzte Engel seine Ausbildung an der NYU fort und erwarb einen Abschluss in Jura. Während er als Anwalt arbeitete, verbrachte er seine Nächte und Wochenenden mit dem Schreiben von Drehbüchern, was zu Aufträgen für Produzenten wie Steven Spielberg und Joel Silver führte. Engel schrieb danach für Fernsehserien, darunter The Big Bang Theory, Just Shoot Me, Mad About You und Dream On. Engel ist zudem Schöpfer und ausführender Produzent der CBS-Serie Work With Me, der NBC-Serie Inside Schwartz und der ABC-Serie The Big House. Darüber hinaus unterrichtet er TV-Drehbuch-Schreiben an der UCLA School of Theater, Film & Television.
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The Politics of Memory: Contested Cultures of Remembrance. Max Czollek & Yasemin Yildiz im Gespräch
Los Angeles, Wende Museum
Der Dichter und Autor Max Czollek und Yasemin Yildiz, Professorin für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, Los Angeles, führen ein Gespräch über Erinnerungskulturen. Moderiert von Joes Segal, Kunsthistoriker und Kurator am Wende Museum. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Erinnerungskultur ist ein zentraler Begriff in aktuellen Debatten über die Art und Weise, wie Deutschland an die Zeit des Nationalsozialismus und seine Folgen erinnert, gedenkt und historisiert. Der Begriff bezieht sich auf die Frage, ob Deutschland die Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit weitgehend übernommen und daraus gelernt hat. Von Lehrplänen über Gedenkstätten bis hin zu Kunstdenkmälern, Filmen und öffentlichen Diskursen spielt die Idee einer aktiven und erfolgreichen Erinnerungskultur eine wichtige Rolle in zeitgenössischen deutschen Diskursen, zum Beispiel über eine vereinte Identität Deutschlands nach 1989 oder in der aktuellen Diskussion um die Documenta 15. Während viele internationale Stimmen Deutschlands scheinbar selbstreflexives Erinnern an sein nationales Trauma loben, bringt eine neue Generation deutsch-jüdischer Künstler:innen und Intellektueller einen Kritikpunkt vor: Was, wenn die deutsche Erinnerungskultur lediglich ein „Theater der Versöhnung“ ist? Wem, und welchem Zweck, dient diese Form des Erinnerns eigentlich?
Der Dichter Max Czollek, der über zeitgenössisches jüdisches Leben in Deutschland schreibt, argumentiert, dass die deutsche Erinnerungskultur einen „symbolischen Juden“ als Gegenfigur zu einem deutschen „Wir“ geschaffen habe. Seiner Meinung nach setzt deutsche Erinnerungskultur 'Erinnern' mit 'Versöhnung' gleich, was zu einem Anstieg rassistischer und antisemitischer Gewalt und Rechtspopulismus in Deutschland geführt hat. Für Czollek muss sich eine funktionierende und produktive Erinnerungskultur mit ihren „Homogenitätsphantasien“ auseinandersetzen, Konzepte nationaler Größe hinterfragen und vor allem zeitgenössische Minderheitenstimmen in ihren Diskurs einbeziehen.
Yasemin Yildiz, Professorin am Department of European Languages and Transcultural Studies an der University of California, Los Angeles, befasst sich mit Fragen der deutschen Erinnerungskultur aus einem anderen Blickwinkel. Derzeit arbeitet sie an dem Buchprojekt Memory Citizenship: Migrant Archives of Holocaust Remembrance, in dem sie mit Co-Autor Michael Rothberg die Auswirkungen transnationaler Migration auf das deutsche kulturelle Gedächtnis in Bezug auf den Nationalsozialismus, den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg erforscht und damit neue Perspektiven eröffnet, das Verhältnis von Erinnerung und Migration in der Gegenwart zu konzeptualisieren.
Max Czollek und Yasemin Yildiz werden ein Gespräch über Erinnerungskulturen führen: Welche neuen Perspektiven und Kritiken bieten Minderheitendiskurse zu den Fragen und Debatten rund um die zeitgenössische deutsche Erinnerungskultur? Und was bedeutet das für uns in den Vereinigten Staaten? Wie können diese Diskussionen lokale Debatten und Kontroversen über Gedenken und Erinnerungspraktiken beeinflussen? Das Gespräch wird moderiert von Joes Segal, Chefkurator und Programmdirektor des Wende Museums, Los Angeles.
Participants

Max Czollek wurde 1987 in Berlin geboren, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Im Jahr 2012 schloss er sein Studium der Politikwissenschaft an der Technischen Universität Berlin ab. Im Jahr 2016 schloss er sein Promotionsstudium am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) ab. Seit 2009 ist Czollek Mitglied des Lyrikkollektivs G13, das Bücher veröffentlicht und Vorträge organisiert. Von 2013 bis 2018 war er Kurator des internationalen Projekts Babelsprech International, dessen Ziel es war, die Vernetzung junger deutschsprachiger und europäischer Poesie- und Lyrikergemeinschaften zu fördern. Im Jahr 2018 erschien sein Aufsatz Desintegriert Euch! bei Carl Hanser.

Yasemin Yildiz ist Professorin für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, Los Angeles. Zu ihren Forschungsgebieten gehören deutsche Literatur und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts, Literatur der Migration, türkisch-deutsche Literatur, deutsch-jüdische Literatur, literarische Mehrsprachigkeit und Übersetzungswissenschaft, transnationale Studien, Gender Studies, Erinnerungsforschung und Holocaust Studies. Prof. Yildiz ist die Autorin von Beyond the Mother Tongue: The Postmonolingual Condition (2012). Ihr aktuelles Buchprojekt Memory Citizenship: Migrant Archives of Holocaust Remembrance, das sie gemeinsam mit Michael Rothberg verfasst hat, versammelt und analysiert ein breites Spektrum an Erinnerungsarbeiten von in Deutschland lebenden Schriftsteller:innen, Künstler:innen und Aktivist:innen, die sich mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg befassen.