Veranstaltungsarchiv Thomas Mann House

November 2019

Dienstag, 05.11.2019

Vortrag von Stefan Keppler-Tasaki: “Zen in America”

Los Angeles

Zen in America: Doris Dörrie’s Documentary Film How to Cook Your Life (2007)

© megahertz productions (Munich)

In ihrem Dokumentarfilm How to Cook Your Life (2007) über den amerikanischen Zen-Meister Edward Espe Brown führt die deutsche Regisseurin Doris Dörrie zwei wesentliche Linien ihrer Arbeit zusammen: ihre Erfahrungen mit der amerikanischen (Film-) Kultur zu Beginn ihrer Karriere und ihr Interesse an Japan als affektiver Landschaft wie auch als Kultur emotionaler Kontrolle. Die Kamera beobachtet Brown, wie er Zen durch Kochen unterrichtet, hauptsächlich in Kursen am San Francisco Zen Center, das von seinem Lehrer Shunryu Suzuki, einem der bedeutendsten Vertreter des internationalen Buddhismus, gegründet wurde. Wir begegnen einem Zen-Meister, der nicht nur die buddhistischen Klassiker wie Dōgen’s Anweisungen an den Koch (1237) beflissen zitiert, sondern auch mit starken Gefühlen wie Zorn und Verzweiflung ringt. Humor ist darüber hinaus das bestimmende Element. Mit diesen Eigenschaften erweist sich Brown als typischer Held von Dörries Filmschaffen, das an der Schnittstelle zwischen Arthouse, Komödie und Melodram steht.

“When you are cooking you’re not just cooking, not just working on food, you are also working on yourself, on other people.” — Edward Espe Brown

 

Stefan Keppler-Tasaki | © Anthony Wood

Stefan Keppler-Tasaki, geb. 1973 in Wertheim, Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes von 1993 bis 1999 und wieder von 2000 bis 2003, Assistent für neuere deutsche Literatur an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg von 2002 bis 2005 und an der FU Berlin von 2005 bis 2008, Juniorprofessor für neuere deutsche Literatur an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule der FU Berlin von 2008 bis 2012, Professor für moderne deutsche Literatur an der University of Tokyo, Graduate School of Humanities and Sociology / Faculty of Letters seit 2012, Einstein Visiting Fellow der FU Berlin seit 2014. Autor unter anderem von Grenzen des Ich. Die Verfassung des Subjekts in Goethes Roman und Erzählungen (De Gruyter, 2006) und Alfred Döblin. Massen, Medien, Metropolen (Königshausen & Neumann, 2018). Gründungsmitherausgeber der Buchreihen WeltLiteraturen (De Gruyter) und Rezeptionskulturen (Königshausen & Neumann).


Location:

Oldenborg Luncheon Colloquium
Pomona College
350 N. College Way
Claremont, CA 91711


Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. is supported by the German Federal Foreign Office and Federal Government Commissioner for Culture and the Media.

            

 

Mittwoch, 06.11.2019

Vortrag und Diskussion: „J. R. Davidson – A California Modernist“

Los Angeles, CA

Südkalifornien war eines der Zentren der architektonischen Moderne. Eine der wichtigsten, aber bislang wenig beachteten Figuren, war der in Berlin geborene Architekt Julius Ralph Davidson. Seit Anfang der 1920er Jahre in Los Angeles lebend, war Davidson zunächst im Bereich Raumgestaltung und Inneneinrichtung tätig. Bald konzentrierte er sich immer stärker auf architektonische Projekte.

1940 kam Davidson in Kontakt mit dem Schriftsteller Thomas Mann. Mann hatte sich mit seiner Familie für eine Übersiedlung aus Princeton entschlossen, wo sie die vorangegangenen Jahre ihres Exils verbracht hatten. In den Hügeln von Pacific Palisades erwarben die Manns ein Grundstück und beauftragten J.R. Davidson mit dem Bau eines Hauses, das vollkommen auf ihre Lebensgewohnheiten und ihren Tagesablauf ausgerichtet war.

Waren Davidsons Häuser bislang im internationalen Stil errichtet, so war das Haus am San Remo Drive einer gemäßigten Moderne verpflichtet. Der Innenausbau verkörperte klassische Bürgerlichkeit, was im starken Kontrast zur modernen weißen Erscheinung des Hauses stand. Der Journalist Heinrich Wefing bemerkte dazu: „In der äußeren Gestalt die Anpassung an die neue kalifornische Welt, im Inneren der Versuch, das Verlorene, wie unvollständig auch immer, zu rekonstruieren.”

Dr. Lilian Pfaff, Architekturhistorikerin und Kuratorin der Ausstellung „J.R. Davidson: A European Contribution to California Modernism“, wird über Leben und Werk von Julius Ralph Davidson sprechen und Einblick in bislang unveröffentlichte Bilddokumente geben. Nach ihrem Vortrag kommt Dr. Pfaff in ein Gespräch mit Prof. Christopher Long und Prof. Monika Penick (beide University of Texas). Es moderiert Ken Breisch, Professor für Architektur an der University of Southern California.


Location

Thomas Mann House
1550 N San Remo Drive
Pacific Palisades, CA 90272

Mittwoch, 6. November 2019 - 19:00 Uhr

Teilnahme nur auf Einladung.


Eine Veranstaltung in Kooperation mit Society of Architectural Historians/Southern California Chapter

Freitag, 08.11.2019

Reflecting on 1989: What the past three decades can tell us about the future

Berlin

Vor 30 Jahren fiel die Berliner Mauer und beendete die Teilung eines ganzen Kontinents. Das bipolare System des Kalten Krieges löste sich auf und ein neuer Zukunftsoptimismus breitete sich im Westen und auf der ganzen Welt aus. Die liberale Demokratie war auf dem Vormarsch und Francis Fukuyamas These vom "Ende der Geschichte" wies den Weg in die Zukunft. Heute ist die hoffnungsvolle Stimmung von 1989 einer großen Bedrücktheit gewichen. Der Westen ist sich seines Bekenntnisses zur liberale Demokratie nicht länger einig, und ein neuer geopolitischer Wettbewerb verändert das internationale System. Welche Lehren können wir aus 1989 ziehen, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen? Wie sollen wir mit den Unsicherheiten von heute umgehen, um die Demokratie von morgen zu schützen?

Keynote Lecture von

Francis Fukuyama, Professor of Political Science, Stanford University

und Podiumsdiskussion mit

Thomas Kleine-Brockhoff, Vice President, The German Marshall Fund of the United States

Alina Mungiu-Pippidi, Professor of Democracy Studies, The Hertie School

 

Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe „The Backlash Against Liberal Democracy“, die vom German Marshall Fund of the United States, Villa Aurora & Thomas Mann House e.V. und der Robert Bosch Stiftung ins Leben gerufen wurde. Die Reihe bringt einflussreiche Stimmen aus Europa und den Vereinigten Staaten zusammen, um die Herausforderungen zu beleuchten, denen sich liberale Demokratien gegenübersehen. Bisher sprachen der Historiker Timothy Snyder von der Yale University sowie der Politikwissenschaftler Daniel Ziblatt von der Harvard University. Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Hertie School organisiert und großzügig unterstützt.


Eine Kooperation mit dem German Marshall Fund of the United States, der Robert Bosch Stiftung und der Hertie School

Location
Hertie School, Friedrichstraße 180, 10117 Berlin

How to register:
Please send an e-mail to events[at]hertie-school[dot]org

Please include the following:
- full name
- title (optional)
- organisation (optional)

Please note that this event is by invitation only.