The Politics of Memory: Contested Cultures of Remembrance.
Info
Erinnerungskultur ist ein zentraler Begriff in aktuellen Debatten über die Art und Weise, wie Deutschland an die Zeit des Nationalsozialismus und seine Folgen erinnert, gedenkt und historisiert. Der Begriff bezieht sich auf die Frage, ob Deutschland die Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit weitgehend übernommen und daraus gelernt hat. Von Lehrplänen über Gedenkstätten bis hin zu Kunstdenkmälern, Filmen und öffentlichen Diskursen spielt die Idee einer aktiven und erfolgreichen Erinnerungskultur eine wichtige Rolle in zeitgenössischen deutschen Diskursen, zum Beispiel über eine vereinte Identität Deutschlands nach 1989 oder in der aktuellen Diskussion um die Documenta 15. Während viele internationale Stimmen Deutschlands scheinbar selbstreflexives Erinnern an sein nationales Trauma loben, bringt eine neue Generation deutsch-jüdischer Künstler:innen und Intellektueller einen Kritikpunkt vor: Was, wenn die deutsche Erinnerungskultur lediglich ein „Theater der Versöhnung“ ist? Wem, und welchem Zweck, dient diese Form des Erinnerns eigentlich?
Teilnehmer:innen
Max Czollek wurde 1987 in Berlin geboren, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Im Jahr 2012 schloss er sein Studium der Politikwissenschaft an der Technischen Universität Berlin ab. Im Jahr 2016 schloss er sein Promotionsstudium am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) ab. Seit 2009 ist Czollek Mitglied des Lyrikkollektivs G13, das Bücher veröffentlicht und Vorträge organisiert. Von 2013 bis 2018 war er Kurator des internationalen Projekts Babelsprech International, dessen Ziel es war, die Vernetzung junger deutschsprachiger und europäischer Poesie- und Lyrikergemeinschaften zu fördern. Im Jahr 2018 erschien sein Aufsatz Desintegriert Euch! bei Carl Hanser.
Yasemin Yildiz ist Professorin für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, Los Angeles. Zu ihren Forschungsgebieten gehören deutsche Literatur und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts, Literatur der Migration, türkisch-deutsche Literatur, deutsch-jüdische Literatur, literarische Mehrsprachigkeit und Übersetzungswissenschaft, transnationale Studien, Gender Studies, Erinnerungsforschung und Holocaust Studies. Prof. Yildiz ist die Autorin von Beyond the Mother Tongue: The Postmonolingual Condition (2012). Ihr aktuelles Buchprojekt Memory Citizenship: Migrant Archives of Holocaust Remembrance, das sie gemeinsam mit Michael Rothberg verfasst hat, versammelt und analysiert ein breites Spektrum an Erinnerungsarbeiten von in Deutschland lebenden Schriftsteller:innen, Künstler:innen und Aktivist:innen, die sich mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg befassen.
Partner
Die Veranstaltung ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Wende Museum & dem Thomas Mann House.