Veranstaltungsarchiv Villa Aurora
März 2023
Becoming Black - Filmvorführung und Diskussion
Goethe-Institut Los Angeles
Information
BECOMING BLACK
Ein weißes Elternpaar im Ost-Berlin der 1960er Jahre erzählt ihrer Schwarzen Tochter, dass ihre dunkle Hautfarbe reiner Zufall sei und keine Bedeutung habe. Auch das Mädchen möchte das glauben, bis es mit 12 Jahren durch einen Zufall die Wahrheit entdeckt.
Das Kind ist Regisseurin Ines Johnson-Spain. Lange nachdem sie die Familie ihres leiblichen Vaters in Togo kennengelernt hat, rekonstruiert sie nun als Protagonistin und Autorin ihre Familiengeschichte in dem Film BECOMING BLACK.
In emotionalen und offen geführten Gesprächen mit ihrem Stiefvater wird die Atmosphäre des Schweigens und der Verdrängung eindrücklich spürbar. Langsam wird klar, wie das soziale Umfeld gestrickt sein muss, um eine dermaßen gravierende Verleugnung von Fakten möglich zu machen. Das ist Private politisch. In Auseinandersetzung mit der eigenen Identität geht Ines Johnson-Spain dem alles überschattenden Tabu ihrer Kindheit auf die Spur und legt dabei exemplarisch den strukturellen Rassismus der DDR offen.
In Verbindung mit dem berührenden Treffen mit ihrer spät gefunden togolesischen Familie wird der Film zu einer Reflexion über Identität, Familienkonzepte und soziale Normen.
Von den 1960er Jahren in Ost-Berlin bis in die Gegenwart entfaltet sich in diesem intimen, berührenden Selbstporträt bisher ungeschriebene deutsche Historie.
Deutschland, 2019, 91 Minuten, digital. Deutsch | Französisch mit englischen UT.
Buch-Regie: Ines Johnson-Spain, DOP: Sebastian Winkels, Anne Misselwitz, Schnitt: Yana Höhnerbach, Executive Producers: Katrin Sandmann, Stefan Matthieu, Producer: Anahita Nazemi.
Produktion: Kobalt Documentary in co-production with Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) (Das kleine Fernsehspiel).
Participants
Ines Johnson-Spain, geboren und aufgewachsen in der DDR, studierte Religionswissenschaften an der Freien Universität Berlin und Freie Kunst und Filmgeschichte als Gast an der Universität der Künste Berlin. Sie arbeitet als Regisseurin und Drehbuchautorin. Ihr besonderes Interesse gilt Selbstkonzepten im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft. In dem aktuellen Film BECOMING BLACK setzte sie sich autobiografisch mit ihrer deutsch/togoischen Herkunft auseinander.
Katarina Hedrén ist eine schwedische Filmprogrammerin und Filmkritikerin äthiopischer Herkunft, die mit Filmfestivals weltweit gearbeitet hat, u. a. das European Film Festival in Südafrika, Film Africa (Großbritannien), FESPACO (Burkina Faso), IDFA (Niederlande) und Göteborg Film Festival (Schweden). Als Filmkritikerin hat sie auf verschiedenen Plattformen mitgewirkt, u. a. Africa is a Country, BBC Culture, Sweden Radio, Radio 702 in Südafrika und der Anthologie Gaze Regimes – Films and Feminisms in Africa (Mistry & Schuhmann, Wits University Press, 2015). Sie schreibt regelmäßig für die schwedische Zeitschrift FLM.
Partners
Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation Thomas Mann House und dem Goethe-Institut Los Angeles statt.
Künstlerinnengespräch: Antje Majewski
Villa Aurora (520 Paseo Miramar, Pacific Palisades, CA 90272)
Information
In ihrem Projekt „A Journey Reversed“ folgte Antje Majewski den Spuren eines Familienmitglieds, ebenfalls Künstler, der zwischen 1847 und 1849 von Bremen über New York den Platte River hinauf nach Salt Lake City und schließlich nach Los Angeles reiste. Er war einer von vielen Reisenden während des Goldrauschs und kam wie so viele in zerlumpten Kleidern und krank in LA an, wo er höchstwahrscheinlich kurz darauf starb. Anhand von vier Briefen, die er an seine Familie geschickt hatte, verfolgt Majewski den Weg ihres Vorfahren und setzt sich intensiv mit den Veränderungen der Landschaften auseinander, die diese massive Migration und Landnahme, die industrialisierte Landwirtschaft und die Gewinnung fossiler Energien verursacht haben.
In einem separaten Projekt, The Osage Orange, befasst sich Majewski mit einem in Oklahoma heimischen Baum, dem Osage-Orangenbaum. Sie reflektiert über die verschiedenen kulturellen Praktiken, für die der Baum verwendet wird, und setzt sich in ihrer Arbeit mit Fragen der Vertreibung und Veränderungen des Lebensstils auseinander.
Über die Künstlerin
Antje Majewski ist eine Künstlerin, die sich mittels Malerei, Video, Texten und Performances mit anthropologischen und philosophischen Fragen beschäftigt. Ihre jüngsten Arbeiten konzentrieren sich auf die Befragung von Objekten, Territorien und Pflanzen sowie auf die Erforschung alternativer Wissenssysteme, des Erzählens von Geschichten und die Möglichkeit transformativer Prozesse. Ihr besonderes Interesse gilt der kulturellen sowie geobotanischen Migration. Majewski arbeitet oft mit anderen Künstlerinnen und Künstlern wie auch ökologischen und städtischen Gruppen zusammen.
Arbeiten von Antje Majewski wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, unter anderem im Kunsthaus Graz (2019), Gropius Bau, Berlin (2019); Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2018); CCA Tel Aviv (2016); Zentrum für zeitgenössische Kunst Schloss Ujazdowski, Warschau (2016); Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2015); Muzeum Sztuki, Lodz (2014); Deutsche Bank Kunsthalle, Berlin (2013); Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main (2013); Heidelberger Kunstverein, Heidelberg (2013); Villa Romana, Florenz (2012); Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main (2012); Kunsthaus Graz, Graz (2011); und Salzburger Kunstverein, Salzburg (2008).