Veranstaltungsarchiv Villa Aurora
April 2013
Alexander Granach
Los Angeles
Alexander Granach - vom Schtetl nach Hollywood
Ein Film von Angelika Wittlich, Deutschland 2012, 105 min., digital
In Anwesenheit von Angelika Wittlich
Vom krummbeinigen Bäckergehilfen zum Star der Theaterbühnen und des expressionistischen Films – der aus Galizien (heute: Ukraine) stammende Schauspieler Alexander Granach eroberte in der Weimarer Zeit die Berliner Bühnen im Sturm. Er arbeitete mit Bertolt Brecht und Erwin Piscator sowie mit Leopold Jessner, Jürgen Fehling oder Heinz Hilpert. Fast gleichzeitig mit seinem Start an den Berliner Theatern debütierte er im Film. Sein pantomimischer Stil war wie geschaffen für den Stummfilm. Friedrich Wilhelm Murnau engagierte ihn für seine erste Filmrolle als makabrer Hausmeister Knock in Nosferatu. Auch im Tonfilm ging Granachs Karriere nahtlos weiter.
1933 fand Granachs triumphale deutsche Theater- und Filmkarriere ihr jähes Ende. Verfolgt von den Nazis, flüchtete er über Wien nach Polen. 1936 wurde er in die Sowjetunion eingeladen und spielte dort u.a. den Shylock am Theater Kiew. Ende 1937 wurde er wegen Spionageverdachts verhaftet. Lion Feuchtwanger intervenierte bei Stalin, Granach wurde freigelassen und floh nach Zürich. Als die Schweiz ihm den Aufenthalt nicht verlängerte, gelangte er 1938 mit einem Visum nach Amerika. In New York schlug er sich durch, lernte Englisch, knüpfte Verbindungen mit anderen Emigranten. Dann holte ihn William Dieterle nach Hollywood und Granachs amerikanische Filmkarriere startete brillant mit Ernst Lubitschs Ninotschka. In New York starb er am 14.03.1945 an einer verschleppten Blinddarmentzündung, gerade als sich das Ende des Krieges abzeichnete und er einem Wiedersehen mit seiner „großen ewigen Liebe“, der Schweizer Schauspielerin Lotte Lieven, entgegen sah.
Mit Empfang.
Anmeldung bitte unter 310.573-3603 oder infola@villa-aurora.org
Ort: 520 Paseo Miramar, Los Angeles, CA 90272
FELLOWS & Friends im Roten Rathaus
Berlin
„Fördermöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler“ wurden beim FELLOWS & Friends – Treffen der Villa Aurora aufgezeigt und diskutiert, das Staatssekretärin Hella Dunger-Löper, Bevollmächtigte beim Bund, Europabeauftragte des Landes Berlin und Beauftragte für das Bürgerschaftliche Engagement, am 8. April 2013 im Roten Rathaus eröffnete.
Dr. Konrad Schmidt-Werthern, Abteilungsleiter der Berliner Kulturverwaltung und Referatsleiterin Christiane Zieseke gaben einen Überblick über die deutsche und Berliner Kulturförderung, nachdem Annette Rupp, die Geschäftsführerin der Villa Aurora, den rund 50 Gästen Geschichte und Aktivitäten der Villa Aurora vorgestellt hatte.
Als besonders aufschlussreiche bundesweite Informationsforen für Künstlerinnen und Künstler nannte Dr. Konrad Schmidt-Werthern die Websites www.kulturfoerderung.org und www.kulturpreise.de.
Einen Überblick über die diversen Förderprogramme der Berliner Senatskanzlei gibt die Website http://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/index.de.html. Im Bereich bildende Kunst vergibt die Berliner Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten jährlich in Kooperation mit dem Art Center College of Design (ACCD) in Pasadena/Los Angeles ein Kulturaustausch-Stipendium. Dieses Stipendium ermöglicht 12-monatige Aufenthalte im Fachbereich Graduate Studies/Art am renommierten Art Center College of Design. http://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/internationaler-kulturaustausch/auslandsstipendien/index.de.html. Für größere Projekte wurde auf die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, für Förderungen im Filmbereich auf das Medienboard Berlin-Brandenburg verwiesen. Christiane Zieseke empfahl, sich mit allen Fragen gezielt von den Mitarbeitern der Senatskanzlei beraten zu lassen.
Die Villa-Aurora-Fellows Eva Castringius und Marcel Bühler berichteten über die wertvollen Impulse, die sie während ihres Stipendiums in der Villa Aurora erhalten hatten und die sie in ihrem künstlerischen Werk mit weiteren Aufenthalten in Los Angeles ausbauen möchten. Sie initiierten eine Befragung aller bisherigen 264 Stipendiaten der Villa Aurora, um den Bedarf von Künstleraufenthalten in Los Angeles zu erfragen und gemeinsam Ideen und Strategien für deren Organisation zu entwickeln. Im Rahmen der Auswertung zeigte sich ein erhebliches Interesse vieler Fellows an zukünftigen Aufenthalten in Los Angeles. Zur Realisierung wurden erste Ideen zusammengetragen, die gemeinsam weiterentwickelt werden sollen.
FELLOWS&Friends
Berlin
Am 8. April 2013 wird im Louise-Schröder-Saal des Berliner Rathauses um 19:00 Uhr ein FELLOWS & Friends-Treffen der Villa Aurora stattfinden, bei welchem der neue Abteilungsleiter in der Berliner Kulturverwaltung, Herr Dr. Konrad Schmidt-Werthern, und Referatsleiterin Frau Christiane Zieseke Auskunft über Fördermöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler geben werden.
Die Veranstaltung wird durch Erfahrungen und Ideen von Fellows der Villa Aurora hinsichtlich weiterer Fördermöglichkeiten und des transatlantischen Netzwerks ergänzt werden.
Wir danken Staatssekretärin Hella Dunger-Löper für die Unterstützung der Veranstaltung und freuen uns auf Ihren und Euren Besuch!
Wir bitten um Anmeldung bis zum 3. April 2013
Ort: Luise-Schröder-Saal, Berliner Rathaus, Rathausstraße, 10178 Berlin.
Music Memory Metamorphosis
Los Angeles
Viktor Ullmann:
Klaviersonate Nr. 7 (1944) &
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke (1944)
12 Auszüge des des Gedichts von Rainer Maria Rilke für Sprecher und Klavier
Eine filmisch-musikalische Montage
Dieses Multimediaprogramm von Gwyneth Bravo (Produktion und Regie) und Paul Sidlo (Technische Produktion und Design) präsentiert mit Live-Performances von Neal Stulberg und dem Pianist Steven Vanhauwaert vor einer Filmkulisse Viktor Ullmanns letzte Kompositionen von 1944, die Klaviersonate Nr. 7 und Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke.
Weitere Informationen und Tickets finden Sie auf der Website http://musicmemorymetamorphosis.brownpapertickets.com/ oder unter 310-502-8789.
Neal Stulberg, Rezitation
Steven Vanhauwaert, Klavier
Paul Sidlo, Technische Produktion & Design
Gwyneth Bravo, Produzent und Künstlerischer Direktor
Eintritt: Mitglieder & Studenten $10, regulär $25
Ort: Villa Aurora, 520 Paseo Miramar, Los Angeles, CA 90272
Two Who Dared
Los Angeles
Villa Aurora, Artemis Joukowsky III und Robert Lemelson präsentieren den Dokumentarfilm Two Who Dared von Artemis Joukowsky III (USA, 2012, 76 min., digital)
An die Vorführung schließt sich ein Empfang für den Filmemacher an.
Der Film erzählt die Geschichte des unitarischen Ministers Waitstill Sharp und seiner Frau Martha, die nur wenige Tage vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten in der Tschechoslowakai ihre kleinen Kinder in Wellesley, Massachusetts, zurückließen und in Osteuropa halfen, Tausende verfolgter Menschen zu retten.
Wer waren diese amerikanischen Helden? Was führte dazu, dass sie das Wohlergehen von Fremden über ihr eigenes und das ihrer Familie stellten?
Waitstill und Martha waren auch beteiligt an der Flucht der Feuchtwangers aus Frankreich. Sie sind zwei der drei Amerikaner, die in Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" gewürdigt werden.
Two Who Dared hat im Jahr 2012 zahlreiche Preise gewonnen, darunter den Special Jury Prize des Amsterdam Film Festivals und den Redemptive Storyteller Award des Redemptive Film Festivals.
Die Filmvorführung in der Villa Aurora ist Teil einer basis- und bürgernahen Bewegung, die den Film weltweit in Synagogen, Kirchen, Theater, Schulen bringen möchte. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.TwoWhoDared.com
Der Eintritt ist frei für Mitglieder. Regulärer Eintritt $5.
Anmeldung bitte unter 310.573.3603 oder infola@villa-aurora.org
Ort: 520 Paseo Miramar, Los Angeles, CA 90272
Welcoming Reception
Villa Aurora (520 Paseo Miramar, Los Angeles, CA 90272)
Teilnehmer:innen
Der bildende Künstler Dirk Stewen wurde 1972 in Dortmund geboren. Er lebt und arbeitet in Hamburg. Nach dem Studium der Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum und der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, arbeitete er als kommerzieller Fotograf, da die Kamera immer schon zum seinem Handwerkszeug gehörte. In seinen Arbeiten tränkte er Fotopapier mit schwarzer Tinte und belichtet es, wodurch er eine marmorierte Oberfläche erzeugt. In anderen Werken arbeitet Stewen mit Seiten aus antiquarischen Kunstkatalogen, mit Postern, Papierschnipseln verschiedener Größen und Farben, Bannern, Bucheinbänden oder auch mit industriell vorgefertigtem Holz und Metall. Mit indischer Tinte bespritzt, gefaltet und bestickt, schichtet er eine Sorte Papier auf eine andere, um darauf wiederum zu drucken und zu kopieren. Er kombiniert die so entstandene Arbeit in Assemblagen, Kollagen oder Wandskulpturen, welche sich behutsam im sie umgebenden Raum ausbreiten.
Während seines Stipendiums in der Villa Aurora möchte Dirk Stewen die Vegetation der kalifornischen Westküste untersuchen. Auf künstlerische Art tauscht er Pflanzen seines eigenen kulturellen Hintergrunds mit denen Amerikas aus.
Fragen wie “Was passiert mit Kunst im Exil?” und “Auf welche Art und Weise kann Ästhetik eine Flucht oder ein Rettungsanker sein?“, werden ihn in kulturelle und natürliche Landschaften führen.
Dirk Stewen wird seine Arbeitsweise erläutern und Bilder seiner letzten Ausstellungen in Bregenz (Österreich) und New York zeigen.
Feuchtwanger Fellow Sviatlana Kurs wurde 1972 in Minsk, Weißrussland geboren. Sie graduierte an der philologischen Fakultät der Belarusian State University (BDU, 1994). 1994 begann sie als Journalistin beim Weißrussischen Staatsradio sowie für die Zeitung “Svaboda”, Radio 101,2, das Belarusian Helsinki Committee, Radio Racyja, Transitions Online und Radio Free Europe/Radio Liberty European Radio for Belarus zu arbeiten. Sie veröffentlicht auch unter den Pseudonymen Eva Viežnaviec und Sviatlana Adziniec. Sviatlana Kurs schreibt über den europäischen Kontext Weißrusslands. Hauptthemen ihrer Arbeiten sind die Integration des Bösen, das Aufdecken von Plattitüden, die Vermischung von Zauberei und Magie des Alltags, die religiöse Behandlung des Alkoholismus und die Vorwärtsbewegung als Selbstzweck. Ihre Arbeiten sind ins Polnische, Ukrainische und Tschechische übersetzt worden. Am 30. April wird Sviatlana Kurs in belarussisch und englisch aus ihrer Kurzgeschichte Der Besuch des Archivars lesen.
Tom Rojo Poller wurde 1978 in Osnabrück geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte zunächst Komposition an der Hochschule für Musik in Detmold und an der Universität der Künste in Berlin (UdK) bei Prof. Walter Zimmermann. Das Jahr 2003 verbrachte er am Royal College für Musik in London, kehrte dann nach Berlin zurück, um sein Diplom in Komposition und seinen Meisterschülerabschluss an der UdK zu machen. Poller hat auch einen Master für Deutsche Literatur, Philosophie und Musikwissenschaften von der Humboldt Universität. Tom Rojo Poller interessiert sich besonders für den zeitlichen Aspekt von Musik (polyrhythmische Musik eingeschlossen); Musiktheater – und generell für verschiedene Formen musikalischer Präsentationen, die Beziehung zwischen Musik und Sprache und die Philosophie der Musik (speziell Musik und Emotionen, Musik und Verständnis).
Indem er explizit einen experimentellen Einstieg verfolgt, ist seine Musik tief in der westlichen Tradition verwurzelt und teilweise beeinflusst von weniger bekannten Aspekten (zum Beispiel mittelalterlicher oder Renaissance Musik oder rhetorischen Aspekten barocker Musik) genauso wie verschiedenartigen Formen zeitgenössischer Musikpraktiken. Während seines Aufenthaltes in der Villa Aurora wird er an seinem vielteiligen Projekt Die Unheimlichkeit der Zeit arbeiten, geplant ist die Komposition eines Stückes, das auf Probemittschnitten von Stravinsky und Schoenberg basiert, sowie die Recherche für eine multimediale Arbeit über den Sunset Boulevard. Bei der Welcoming Reception wird er auf dem Flügel, der einst Ernst Toch gehörte, zwei seiner Kompositionen spielen: Three Pieces for Piano und Zeit ist nicht gutmütig. Musik von Tom Rojo Poller hier.