Veranstaltungsarchiv Villa Aurora
September 2019
SILENT SALON Stummfilmvorführung: The Nut
Los Angeles (Villa Aurora, 520 Paseo Miramar)
Information
1921, 75 Min.
Charlie (Fairbanks) hat eine Freundin namens Estrell (De La Motte), die der Theorie anhängt, dass die Kinder in einem guten Umfeld aufwachsen würden, wenn reiche Leute jeden Tag eine Reihe armer Kinder bei sich aufnehmen würden. Da Estrell keine dieser reichen Leute kennt, bietet Charlie an, ein Treffen zu arrangieren. Charlie ist jedoch der Meinung, dass Betrüger genauso gut taugen wie echte Reiche, und engagiert daher zunächst einige Einbrecher und Spieler. Dann versucht er es mit Puppen, doch Estrell lässt sich nicht täuschen und ist empört. Ein wohlhabender Mann, der als Reporter arbeitet, geht einer Meldung nach, wonach ein Mann eine Leiche schleppt – was sich als Charlie herausstellt, der eine Puppe bewegt –, wodurch Charlie endlich jemanden kennenlernt, der reich ist.
Teilnehmer
Michael Mortilla ist Komponist und Musiker, der seit Jarhzehnten Filmmusik zu allen Genres von Stummfilmen komponiert und improvisiert hat. Er arbeitet national und International mit vielen Filmorganisationen, u.s. mit der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Darüberhinaus arbeitete er mit legendären Choreographen wie Alvin Ailey und Martha Graham.
Ausstellung: Max Göran "Assholes Live Forever"
Jenny's (4220 Sunset Boulecard, Los Angeles, CA 90029)
Information
Ein Gerüst trägt einen Projektor, eine Projektionswand und einen Flachbildfernseher; eine Bank lädt dazu ein, Platz zu nehmen, während man die beiden Videos ansieht und ihren Soundtracks lauscht. Das eine Video ist etwa zwanzig Minuten lang, das andere zehn Minuten; sie werden nacheinander abgespielt und erzeugen bei jedem Durchlauf neue Überschneidungen. Das Filmmaterial wurde im Laufe von drei Monaten im Jahr 2019 in und um Los Angeles gedreht.
Ursprünglich war der Künstler unter der Schirmherrschaft der Studienstiftung des Deutschen Volkes zu einem Aufenthalt in der Villa Aurora eingeladen worden, zog dann aber zu einem Freund und Tiffany the Scabies Cat nach Lincoln Heights. Er schaltete Anzeigen auf Craigslist und lernte weitere Einwohner von Los Angeles kennen, die bereit waren, an seinen Dreharbeiten teilzunehmen – entweder als Protagonisten oder als Interviewpartner, manchmal auch beides.
An den Rändern der Stadt lassen sich verschiedene Formen der Freiheit entdecken. Dabei kann es sich um den physischen Rand handeln, wie bei den Motocrossfahrern, die im Film zu sehen sind, oder um den sozialen Rand, wo die Furry-Subkultur beheimatet ist. Auch andere Tierarten bevölkern diese Räume – Hasen, Waschbären, Katzen, Füchse – und ihre tierische Freiheit wird manchmal von Menschen eingeschränkt, manchmal von ihnen geschützt. Das Objekt des Mitleids wird zu einem möglichen Träger für stellvertretende Gefühle.
Kunstproduktion in La La Land. Von den Anfängen in CalArts zu den digitalen Bildwelten der Gegenwart in Los Angeles.
Berlin (Flughafen Tempelhof Hangar 5 and 6 Tempelhofer Damm 45 12101 Berlin U6 Paradestrasse)
Die von Walt Disney gegründete und 1970 eröffnete Kunsthochschule CalArts bei Los Angeles entwickelte in den ersten Jahren ein radikales, wegweisendes Schulmodell, das in seiner Interdisziplinarität an europäische und US-amerikanische Vorgängermodelle wie dem Bauhaus und dem Black Mountain College anknüpfte. Dort lehrten Schlüsselfiguren wie Allan Kaprow, Judy Chicago und John Baldessari, der als einer der prägenden Lehrer die Auffassung verfolgte, dass Kunst nicht lehrbar sei, sondern es darum ginge, Situationen zu schaffen »where art might happen«. Mit der institutionellen Etablierung konzeptueller und feministischer Konzepte nahm CalArts eine Vorreiterrolle ein. Julika Bosch zeigt auf, wie im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung schon damals aktuelle gesellschaftliche Themen wie das Hinterfragen von Autorenschaft, die Flexibilisierung von künstlerischen Arbeitsweisen oder die Kritik an patriarchalen Machtstrukturen standen.
Teilnehmerin
Louisa Clement, 1987 in Bonn geboren, lebt und arbeitet in Bonn
Anfang des Jahres war Louisa Clement Stipendiatin der Villa Aurora. Ihr Werk knüpft an eines der drängenden Themen unserer Gegenwart an: die Auseinandersetzung mit dem Menschsein im digitalen Zeitalter. Ihre Fotografien, Videos und VR-Projekte zeigen Körper ohne Augen, Mund und Nase, gesichts- und geschlechtslos; ästhetische Avatare und digitale Bildräume, in denen das Publikum mit Bots kommunizieren kann. Louisa Clement berichtet von ihren Erfahrungen in Los Angeles und den Einfluss medialer Technologien auf ihre Kunstproduktion.
Weitere Informationen
Julika Bosch, arbeitet als Kuratorin in der Kestner Gesellschaft, Hannover. Sie realisierte dort u.a. Ausstellungen zum Werk von Roman Siegner, Nevin Aladag u. Walter Dahn. 2019 hat sie an einer umfassenden Ausstellung zu den frühen Jahren des California Institute of the Arts mitgearbeitet. "Wo Kunst geschehen kann – Die frühen Jahre des CalArts" widmet sich den ersten zehn Jahren der Kunsthochschule und führt erstmalig die dort vertretenen Lehrkonzepte mit den daraus entwickelten künstlerischen Praktiken in einer Gruppenschau zusammen. Die Ausstellung ist noch bis bis 10. November in der Kestner Gesellshaft, Hannover zu sehen und 2020 im Kunsthaus Graz.
Weitere Informationen
Partner
Eine Kooperation mit der Berlin Art Week