Peter Ablinger
KompositionPeter Ablinger (1959–2025) war einer der radikalsten und einflussreichsten Komponisten und Klangkünstler der Gegenwart. Geboren in Schwanenstadt, Oberösterreich, studierte er zunächst Grafik in Linz, bevor ihn seine Begeisterung für den Free Jazz zum Jazzklavierstudium an die Musikhochschule Graz führte. Es folgten Kompositionsstudien bei Gösta Neuwirth in Graz und Roman Haubenstock-Ramati an der Musikhochschule Wien. Seit 1982 lebte und arbeitete Ablinger in Berlin.
Im Zentrum seines Schaffens stand stets die Erforschung des Hörens selbst: Ablinger schuf musikalische Situationen, in denen die Wahrnehmungsfähigkeit der Hörer bewusst unter- oder überfordert wurde, um sie zur Schärfung ihrer Aufmerksamkeit und zur Reflexion über die Wirklichkeit anzuregen. Nach einer intensiven Phase kammermusikalischer Arbeit wandte er sich ab den 1990er Jahren verstärkt elektroakustischen Kompositionen, Klanginstallationen und intermedialen Projekten zu.
Sein opus magnum ist der seit 1980 entstehende Zyklus „Weiss/Weisslich“, in dem Ablinger die vielfältigen Aspekte des weißen Rauschens und der Wahrnehmung in unterschiedlichsten Medien untersucht – von Instrumentalwerken, Installationen und Objekten über elektroakustische Stücke und Prosa bis hin zu Musik ohne Klänge. Insgesamt umfasst der Werkkomplex 36 Teile und gilt als eine der konsequentesten Klangforschungen der zeitgenössischen Musik.
Ablingers Werke wurden auf den wichtigsten internationalen Festivals aufgeführt, darunter die Berliner und Wiener Festwochen, Darmstadt, Donaueschingen, sowie in Istanbul, Los Angeles, Oslo, Buenos Aires, Hongkong, London und New York. Als Gründer und langjähriger künstlerischer Leiter des Ensembles Zwischentöne (1988–2007) prägte er die Neue Musik ebenso wie in der Zusammenarbeit mit Klangforum Wien und United Berlin.
Als Gastprofessor lehrte Ablinger an renommierten Institutionen wie der Columbia University, dem Bard College, der Manhattan School of Music, Yale und Harvard. Von 2012 bis 2017 war er Research Professor an der University of Huddersfield. Im selben Jahr wurde er in die Akademie der Künste Berlin berufen, wo auch sein Archiv eingerichtet wurde.
Ablinger war ein radikaler Frager nach Klang, Zeit und Raum – ein „Mystiker der Aufklärung“, dessen Werk das zeitgenössische Musikdenken nachhaltig geprägt hat. Er starb im April 2025 in Berlin im Alter von 66 Jahren.