Events | Counter-Memories: Virtuelle Dialog-Reihe

Online | 26. Oktober 2020

Weltweit stellen Menschen heute tradierte historische Erzählungen in Frage und reflektieren über die Bedeutungen und Auswirkungen öffentlicher Denkmäler. Jüngste Proteste und Interventionen rund um Statuen konföderierter Generäle, um Kolumbus oder Bismarck, stellen etablierte historische Narrative kritisch in Frage und zielen auf ein neues Verständnis von Geschichte.

Alle zwei Wochen wird sich die Dialog-Serie Counter-Memories mit einer Reihe von internationalen Denkmälern und Erinnerungsorten auseinandersetzen, deren symbolische Bedeutung viel über unser Verhältnis zur Geschichte verrät. Das Thomas Mann House, die Goethe-Institute in Nordamerika und die Onassis Foundation LA werden Künstler*Innen, Aktivist*Innen und Intellektuelle in virtuellen Gesprächen zum Thema Erinnerungskultur zusammenbringen, die in Videoclips um historische Zeugnisse, Bilder und Videos ergänzt werden.

Die zweite Folge beschäftigt sich mit der Pennsylvania Avenue in Baltimore. Das Erscheinungsdatum wird in Kürze bekannt gegeben.

Das Green Book wurde als jährlich erscheinender Reiseführer von Afroamerikaner*Innen auf der Suche nach 'safe spaces' und Bewegungsfreiheit in den USA vor dem Hintergrund der rassistischen Jim Crow-Politik ins Leben gerufen. Als sich das Green Book seiner größter Beliebtheit erfreute, war die Pennsylvania Avenue in Baltimore, Maryland, ein kulturelles Zentrum, das mit zahlreichen Bars und Nachtclubs Dreh- und Angelpunkt afroamerikanischer Kultur war. Ausgehend von der Pennsylvania Avenue wird die Künstlerin, Pädagogin und Kulturveranstalterin Ada Pinkston den Kontrast zwischen der kulturellen Lebendigkeit jener vergangenen Zeit und dem Mangel an Ressourcen in der Gegenwart untersuchen. Indem Pinkston im Gespräch mit Moderatorin und Journalistin Amira El Ahl die sich im Laufe der Zeit verändernden Formen der Architektur jener Straße betrachtet, untersucht diese Episode, wie die Strukturen einer 'white supremacy' sich gegen Ende der Jim-Crow-Ära veränderten, um in vielen Städten der Vereinigten Staaten urbanen Verfall zu schaffen.

Teilnehmerinnen

Ada Pinkston ist Künstlerin, Pädagogin und Kulturorganisatorin und lebt und arbeitet in Baltimore, wo sie als Dozentin für Kunstpädagogik an der Towson University tätig ist. Ihre Arbeit erforscht die Schnittmenge von imaginierten Geschichten und soziopolitischen Realitäten mit Hilfe von Performance, digitalen Medien und Mixed-Media-Skulpturen und Installationen.

Amira El Ahl ist Journalistin und Moderatorin. Als Tochter eines Ägypters und einer Deutschen in Kassel geboren und aufgewachsen, interessierte sie sich schon früh für die arabische Welt, ihre Kultur, Kunst, Geschichte und Menschen. Ihre Arbeit beschäftigt sich u.A. mit der Rolle der Frau bei Umbrüchen, kulturellen Themen und insbesondere der zeitgenössischen arabischen Kunstszene.

 

Episode 1 – Counter-Memories: Paul Holdengräber & Joel Garcia | Los Angeles

Die Serie startete am 12.10.2020, dem Indigenous People’s Day, ein Feiertag, der an die Geschichte der Nativ Americans erinnert. Kurator Paul Holdengräber unterhielt sich mit Künstler Joel Garcia über die Serra-Statue in Los Angeles: eine Statue zu Ehren Juniper Serras, der maßgeblich am Aufbau des kalifornischen Missions-Systems während der spanischen Kolonisation beteiligt war. Sie wurde im Juni 2020 von Aktivistin*Innen entfernt.

Paul Holdengräber ist Moderator und Kurator. Er ist Mitbegründer und Direktor der Onassis Foundation Los Angeles (OLA). 14 Jahre lang war er Direktor von LIVE, einer Veranstaltungsreihe der New York Public Library, wo er über 600 Veranstaltungen moderierte und mit Persönlichkeiten wie Patti Smith, Zadie Smith, Ricky Jay, Jay-Z, Errol Morris, Wes Anderson, Helen Mirren, Werner Herzog oder Mike Tyson Gespräche führte. Vor seiner Amtszeit in der Bibliothek war Holdengräber Gründer und Direktor des Institute for Art & Cultures am Los Angeles County Museum of Art und Fellow am Getty Research Institute in Los Angeles. Er ist der Gastgeber der laufenden Podcstserie The Quarantine Tapes von Onassis LA und dublab.

 

Joel Garcia ist Künstler und Kulturorganisator mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in transnationaler Arbeit mit Schwerpunkt auf gemeinschaftszentrierten Strategien. Seine Herangehensweise wurzelt in indigenen Formen des Dialogs und der Entscheidungsfindung, die nicht-institutionelles Fachwissen aufwerten. Joel setzt Kunst und Organisationskonzepte ein, um das Bewusstsein für Probleme zu schärfen, mit denen sozial benachteiligte Gruppen, Jugendliche in den Innenstädten und andere Zielgruppen konfrontiert sind. Er ist Mitbegründer von Meztli Projects, einer auf indigenen Künsten & Kultur basierenden Zusammenarbeit, die Indigenität in die kreative Praxis von Los Angeles einbringt, indem sie auf Kunst basierende Strategien anwendet, um für Probleme, die einheimische Künstler und Jugendliche betreffen, einzutreten.

Zur ersten Folge

 


Counter-Memories ist eine Kooperation zwischen dem Thomas Mann House, den Goethe-Instituten Nordamerika, der Onassis Foundation Los Angeles und der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Projekt "Shaping the Past".

       

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