Counter-Memories
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Weltweit stellen Menschen heute tradierte historische Erzählungen in Frage und reflektieren über die Bedeutungen und Auswirkungen öffentlicher Denkmäler. Jüngste Proteste und Interventionen rund um Statuen konföderierter Generäle, um Kolumbus oder Bismarck, stellen etablierte historische Narrative kritisch in Frage und zielen auf ein neues Verständnis von Geschichte.
Alle zwei Wochen wird sich die Dialog-Serie „Counter-Memories“ mit einer Reihe von internationalen Denkmälern und Erinnerungsorten auseinandersetzen, deren symbolische Bedeutung viel über unser Verhältnis zur Geschichte verrät. Das Thomas Mann House, die Goethe-Institute in Nordamerika und die Onassis Foundation LA werden Künstler*innen, Aktivist*innen und Intellektuelle in virtuellen Gesprächen zum Thema Erinnerungskultur zusammenbringen, die in Videodokumentationen um historische Zeugnisse, Bilder und Videos ergänzt werden.
Bisherige Episoden
Episode 6 – Ada Pinkston & Angela N. Carroll | Baltimore
Das Green Book wurde als jährlich erscheinender Reiseführer von Afroamerikaner*innen auf der Suche nach 'safe spaces' vor dem Hintergrund der rassistischen Jim Crow-Politik ins Leben gerufen. Zu jener Zeit war die Pennsylvania Avenue in Baltimore, Maryland, ein kulturelles Zentrum sowie Dreh- und Angelpunkt afroamerikanischer Kultur. In dieser Episode werden die Künstlerinnen Ada Pinkston und Angela N. Carroll den Kontrast zwischen der kulturellen Lebendigkeit jener vergangenen Zeit und dem Mangel an Ressourcen in der Gegenwart untersuchen.
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Episode 5 – Susan Neiman& Paul Holdengräber| Berlin
Die Philosophin Susan Neiman, Direktorin des Einstein Forums, kommt in ein Gespräch mit Paul Holdengräber über das Sowjetische Ehrenmal im Berliner Treptower Park. Das Monument wurde 1949 in Gedenken an die dreizehn Millionen gefallen Soldaten der Sowjetunion errichtet, die ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus gelassen haben. Am Jahrestag des Endes des zweiten Weltkriegs gedenken dort Menschen ihren gefallenen Angehörigen. Doch trotz seiner monumentalen Größe ist es im kollektiven Bewusstsein der deutschen Hauptstadt wenig präsent.
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Episode 4 – Veka Duncan & Elianna Kan| Mexiko-Stadt
Die Kunsthistorikerin Veka Duncan und Autorin Elianna Kan unterhalten sich über den Stadtteil Tlatelolco, wo Anwohner im Gedenken an die Opfer eines schweren Erdbebens 1985 eine Sonnenuhr errichteten. Die Geschichte von Tlatelolco gleicht einem Palimpsest: Historische Ereignisse, die ihre Spuren hinterließen, wurden von weiteren Ereignissen überdeckt, jedoch nie ganz ausgelöscht. Das Gespräch dreht sich um kollektives Gedächtnis, die Aneignung öffentlichen Raums und das öffentliche Gedenken jenseits staatlicher Intervention.
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Episode 3 – Mischa Kuball & Paul Holdengräber| Stommeln
Die Synagoge in Stommeln ist eine der wenigen Orte jüdischen Lebens in Deutschland, die während der Pogrome von 1938 nicht zerstört wurden. Um eine neue Wahrnehmung für diesen Ort in der Bevölkerung zu schaffen, beleuchtete der Konzeptkünstler und Professor für Public Art Mischa Kuball die Synagoge über einen Zeitraum von acht Wochen. Im Gespräch mit Kurator Paul Holdengräber erzählt er die fast vergessene Geschichte dieses besonderen Ortes.
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Episode 2 – Glenn North, Staci Pratt & Amira El Ahl | Kansas City
Diese Episode konzentriert sich auf den Levi Harrington Memorial Marker in Kansas City. Harrington wurde 1882 Opfer eines Lynchmordes in Kansas City. Bis heute stoßen die Bemühungen, ein Denkmal für ihn zu schaffen, auf Leugnung und Vandalismus. Der Dichter und Aktivist Glenn North, Staci Pratt (Equal Justice Initiative, Community Remembrance Project of Missouri) und die Journalistin Amira El Ahl diskutieren darüber, wie die mangelnde Anerkennung von Lynchjustiz und Rassismus in Missouri aufgearbeitet werden kann.
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Episode 1 – Paul Holdengräber & Joel Garcia | Los Angeles
Die Serie startete am 12.10.2020, dem „Indigenous People’s Day“, ein Feiertag, der an die Geschichte der Nativ Americans erinnert. Kurator Paul Holdengräber unterhielt sich mit Künstler Joel Garcia über die Serra-Statue in Los Angeles: eine Statue zu Ehren Juniper Serras, der maßgeblich am Aufbau des kalifornischen Missions-Systems während der spanischen Kolonisation beteiligt war. Sie wurde im Juni 2020 von Aktivistin*innen entfernt.
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