Veranstaltungsarchiv Villa Aurora

Mai 2016

Donnerstag, 28.04.2016

Ausstellung

Museum für Fotografie Berlin

M+M 7 Tage

In einer eigens für den Fürstensaal des Museums für Fotografie konzipierten Installation präsentiert das Münchner Künstlerduo M+M den Filmzyklus 7 Tage. Es wird die komplette Reihe des siebenteiligen Werks gezeigt, das M+M sukzessive in einem Zeitraum von fast sieben Jahren entwickelt haben. Die Installation gleicht einem multiperspektivischen Kino, das die Sprache des Films um räumliche Strukturen und neue Erzählweisen erweitert. Jeder Film des Zyklus erzählt eine eigene Geschichte, die jedoch immer in zwei parallel projizierte Varianten gesplittet ist. Der Protagonist – dargestellt von dem Schauspieler Christoph Luser – sieht sich innerhalb der 7 Tage scheinbar alltäglichen, jedoch vollkommen gegensätzlichen Situationen ausgesetzt. Alle sieben Filme beziehen sich auf Schlüsselszenen aus unterschiedlichen Spielfilmen, in denen die psychologische Dimension zwischenmenschlicher Beziehungen zum Vorschein kommt. In ihren Doppelinszenierungen verleihen M+M diesen Szenen eine neue Lesart und entwickeln eine Filmsprache, die die Veränderlichkeit heutiger Identitäten zum Thema macht.

So reinszenieren M+M Szenen unter anderem aus Jean-Luc Godards Le mépris (1963), John Badhams Saturday Night Fever (1977) oder Stanley Kubricks The Shining (1980), wobei jeder Film einem Wochentag gewidmet ist. Zum Teil kehren von Film zu Film bestimmte Motive wieder, wie beispielsweise Beziehungen zwischen Vater, Mutter und Kind oder erotische Annäherungen oder Distanzierungen zwischen Mann und Frau oder Mann und Mann. Bei jedem Film handelt es sich um eine präzise synchronisierte Doppelprojektion, in der bei exakt gleichem Dialog, Kameraführung und Schnitt eine Figur ausgetauscht ist. Die Stimmungen und die Bedeutungen der Dialoge und Handlungen verändern sich dabei teils unterschwellig, teils erheblich und offenbaren deren verstörenden Facettenreichtum. Ein zentrales Element der 7 Tage ist die Verteilung der Projektionsleinwände im Raum, die Zersplitterung des homogenen Filmraums und seiner Erzählstruktur zugunsten eines multiperspektivischen Kinos, das sich erst durch einen aktiven Betrachter erschließt, der Querbezüge zwischen den Projektionen, den multiplen Bildern und Geschichten herstellt. Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Besonderheiten der Synchronerzählung, die M+M in den Filminstallation 7 Tage erproben, spiegelt ihr Interesse an den zunehmend komplexen Raum-, Identitäts- und Zeiterfahrungen unserer Gesellschaft.

M+M kombinieren in ihren konzeptionell ausgerichteten Werken oft verschiedene Medien, von Fotografie, Video und Film über Bildhauerei bis zu Architektur und Projekten im öffentlichen Raum. Seit einigen Jahren liegt der Fokus auf multimedialen Installationen.

Location
Museum für Fotografie
Staatliche Museen zu Berlin
Jebensstraße 2
10623 Berlin
 
Tickets
10 Euro, ermäßigt 5 Euro
 
 
Eine Ausstellung der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, in Kooperation mit der Villa Aurora.

 

Mittwoch, 04.05.2016

Welcoming Reception

Villa Aurora (520 Paseo Miramar, Los Angeles, CA 90272)

 

 

Teilnehmer:innen

Jam Rostron

Jam Rostron aka PLANNINGTOROCK’s Arbeiten umfassen abwechselnd Klangfärbung, Performances, aber auch Licht Installationen. Ihr Debütalbum „Have It All“ wurde 2006 bei Chicks on Speed Records veröffentlicht. Zusammen mit Mouns Sims und The Knife verwirklichte PLANNINGTOROCK 2010 die Oper „Tomorrow, in a Year“ für die dänische Performance Gruppe Hotel Pro Forma. Im selben Jahr tourte PLANNINGTOROCK zusammen mit LCD Soundsystem und kam bei DFA Records unter Vertrag. Im Jahr 2014 veröffentlichte sie „All Love’s Legal“ bei Human Level Records.

Am 4. Mai heißt es „Let’s talk about Gender Baby“. Jam wird über ihr letztes Album „All Love’s Legal“ reden und zwei Musikvideos präsentieren, die ihre kontinuierliche Auseinandersetzung mit Genderpolitik, Frauenfeindlichkeit und Patriarchat verdeutlichen.

Hören sie PLANNINGTOROCK hier und auf Soundcloud

Tatjana Turanskyj

Seit Mitte der Neunziger arbeitet Tatjana Turankyj in der Theaterproduktion, Performance- und Videokunst. Sie war Gründungsmitglied des Berliner Frauenkollektivs hangover Ltd.* (2001-2007), in all ihren 5 Filmen agierte sie als Co-Writerin und Co-Regisseurin (REMAKE holte den 1. Preis des Oberhausener Filmfestivals 2005). Seit 2008 ist sie Mitglied in turanskyj&ahlrichs***GbR. Ihr bejubelter und preisgekrönter Film „Eine flexible Frau“ ist ihr erstes Projekt aus der Produktion turanskyj&ahlrichs***GbR und lief erfolgreich auf mehr als 15 internationalen Festivals, wie beispielsweise Berlinale, Gothenburg und Cannes.

Ihr zweiter Film „Top Girl“ feierte 2014 auf der 64. Berlinale/ Sektion Forum Premiere und wurde in Brasilien als Theaterstück adaptiert. Sie ist Mitbegründerin der Initiative ProQuote Regie mit dem Ziel die Gleichstellung von Regiseurinnen in Film und Fernsehen zu fördern.

In 2010 startete sie eine Film Trilogie über Frauen und Arbeit in unserer Gesellschaft. Sie wird diese Themen in einer kurzen Lecture Performance verdeutlichen und ihr Vorgehen erläutern.

Burhan Qurbani

Burhan Qurbani wurde als Sohn afghanischer politischer Flüchtlinge in Deutschland geboren.

Sein Abschlussfilm an der Filmhochschule, das Drama „ Shahada” erzählt das Schicksal dreier Muslime in Berlin, deren Geschichten sich im Fastenmonat Ramadan zutragen. Mit „Shahada” wolle Qurbani, eigenen Aussagen zufolge, die Widersprüche zwischen der islamischen und der deutschen Kulturen, in denen er aufgewachsen ist, filmisch verkitten. 2010 erhielt er für seinen ersten Spielfilm eine Einladung in den Wettbewerb der 60. Filmfestspiele von Berlin.

Mit „Wir sind jung. Wir sind stark.” (2014) folgt Burhan Qurbani dem schmalen Grat zwischen Verlust von Identität und der daraus resultierenden Flucht in eine Ideologie, die vermeintlich eine Perspektive verspricht. Der Regisseur zeigt das Bild einer verlorenen Generation kurz nach der deutschen Wiedervereinigung.

Burhan Qurbani lebt abwechselnd in Berlin, Stuttgart und Helsinki.

Am 4. Mai zeigt Qurbani Szenen aus seinem letzten Film „Wir sind jung. Wir sind stark.” und wird kurz über seine Adaption des Romans „Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin reden.  

Hier können Sie den Trailer von „Wir sind jung. Wir sind stark.” sehen.

Luise Schröder

Luise Schröder ist Bildende Künstlerin, lebt und arbeitet in Leipzig, wo sie von 2004 bis 2013 Fotografie und Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte.

Innerhalb ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit Geschichtskonstruktion aus der heutigen Perspektive und damit wie Erinnerungskulturen und das Gedenken von Medien und Bilderproduktion beeinflusst und formt.

Bei dem Empfang wird sie ihr aktuelles Projekt  „Arbeit am Mythos” vorstellen.

Um Arbeiten von Luise Schröder anzusehen, können Sie hier klicken.

Dienstag, 10.05.2016

Steine in Hitlers Fenster | Thomas Manns Radiosendungen Deutsche Hörer!

Berlin

Mit einer Lesung von Gustav Peter Wöhler und einem Vortrag von Dr. Sonja Valentin

Thomas Manns 58 Radiobotschaften, die von der BBC in den Jahren 1940 bis 1945 ausgestrahlt und auch in Deutschland zu hören waren, sind eine politisch engagierte Stellungnahme zum Krieg und zu den Verbrechen der Nationalsozialisten. Sie bezeugen den Willen des Schriftstellers, aus seinem amerikanischen Exil gegen das zu protestieren, was unter der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland geschah und lösten anhaltende und oft feindselige Debatten aus.

Am 25. Mai 1943 nahm Thomas Mann den 10. Jahrestag der Bücherverbrennung zum Anlass für eine besonders eindringliche Deutsche Hörer!-Ansprache: 

„Es ist merkwürdig genug, daß unter allen Schandtaten des Nationalsozialismus, die sich in so langer, blutiger Kette daranreihten, diese blödsinnige Feierlichkeit der Welt am meisten Eindruck gemacht hat und wahrscheinlich am allerlängsten im Gedächtnis der Menschen fortleben wird. Das Hitler-Regime ist das Regime der Bücherverbrennungen und wird es bleiben.“ (Thomas Mann)

Gustav Peter Wöhler, Schauspieler und Sänger, liest Texte von Thomas Mann, die in Zusammenhang mit der Bücherverbrennung stehen.

Dr. Sonja Valentin, Dramaturgin und Autorin, analysiert auf Basis ihres Buchs Steine in Hitlers Fenster die Radiobotschaften im Kontext des Werks und der Lebensumstände von Thomas Mann.

Literaturhaus Berlin

Fasanenstraße 23, 10719 Berlin

Eintritt frei